Felsengräber Domus de Janas

‚Häuser der Feen‘ werden die Felsengräber genannt, die man überall auf Sardinien findet. Die von Hand mit Steinbeilen in den Fels gehauenen Grabstätten sind sicherlich eines der interessantesten Zeugnisse der Ozieri-Kultur. Insgesamt gibt es auf der Mittelmeerinsel mehr als 1000 Domus de Janas, mit unterschiedlichen Korridorsystemen und architektonischen Formen. Die zwischen 3400 und 2700 vor Chr. gebauten Totenstädte geben uns Auskunft über die Bestattungskultur der pränuraghischen Kulturen.

In unterschiedlich große Gruppen zusammengefasst variieren die Felsengräber in der Anordnung ihrer Kammern von rund über rechteckig, hin zu einer T- oder Kreuzform. Manche Domus de Janas bestehen aus nur einer Vorkammer und einer Zentralkammer, während sich andere sich in strahlenförmiger Anordnung mit bis zu 40 Zellen weit verzweigen. Die einzelnen Kammern sind durch kurze Gänge verbunden. In S'Andrea Priu bei Bonorva nördlich von Macomer sind beispielsweise verschiedene Typen von Gräbern in den Fels gehauen, von denen das größte aus 18 Kammern besteht.

Die Körper der Toten wurden meist mit unterschiedlichen Grabbeilagen in Hockstellung bestattet. Neben Schmuck und Werkzeug hat man in einigen Felsengräbern auch mehrere kleine Erdmutterstatuen gefunden. Die kleinen Statuen mit fettleibigem nacktem Körper symbolisieren Fruchtbarkeit und Wiedergeburt. Im Inneren sind viele der Grabstätten mit magischen Zeichen und abstrakten Kreis- und Spiralmustern geschmückt. Die Verzierungen wurden in die Felswände eingraviert, eingemeißelt oder mit roter und gelber Farbe aufgemalt. Ein besonders häufig vorkommendes Symbol sind stilisierte Stierköpfe, wie beispielsweise in Sa Domu e' S'Orcu bei Quartucciu, die die männliche Furchtbarkeit darstellen. Eines der am schönsten verzierten Felsengräber ist Mandra Antine, das bemalte Grab, bei Thiesi, das aus der Zeit von 1800 vor Chr. stammt.

Einige Feenhäuser imitieren ganze Wohnhäuser mit Kochstelle, Stützpfeilern oder nachgestellten Dachbalken, wie etwa in Santu Pedru bei Alghero. Weitere bekannte und eindrucksvolle Domus de Janas sind Anghelu Ruju bei Alghero und Montessu bei Villaperuccio im Südwesten Sardiniens.