Ruinenstadt Tharros

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Auf dem Südzipfel der Sinis-Halbinsel befindet sich die Ausgrabungsstätte von Tharros, einer der wichtigsten historischen Städte Sardiniens. Die bei San Giovanni di Sinis, etwa 20 Kilometer von Oristano entfernt liegende Ruinenstadt, wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von den semitischen Phöniziern erbaut und entwickelte sich bald zu einer der bedeutendsten sardischen Hafen- und Handelsstädte. Bereits vor der Stadtgründung durch die Phönizier gab es mehrere Nuraghen-Dörfer in der Gegend, deren Gründung auf das 13. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht. Später wurde Tharros von den Karthagern und Römern, die viele der phönizischen Bauwerke überbauten, besiedelt. So findet man ein halbes Stockwerk unter der römischen Siedlung Überreste von phönizisch-punischen Häusern.
Tharros wurde bis ins 11. Jahrhundert bewohnt. Dann zogen sich die Bewohner wegen der ständigen Sarazenüberfälle ins Landesinnere nach Oristano zurück. Die verlassene Siedlung wurde von Sand und Meer bedeckt. Noch heute liegen Teile der Ruinen unter Wasser.

 

File 263Als in den 1850er Jahren die Überreste Tharros entdeckt wurden, löste der Reichtum der karthagischen Gräber ein Goldfieber in Europa aus, das Plünderungen zur Folge hatte. Viele der Schätze wurden über die ganzen Welt verteilt und verschwanden im Besitz von Privatpersonen. In den Museen von Cagliari, Sassari und Oristano befindet sich daher nur ein Teil der Funde.

Nahe des Eingangs der archäologischen Zone verläuft die gut erhaltene römische Straße aus dunklem Basalt. Sie führt zu einem Platz mit der Ruine des Castellum Acquae, das den Römern zur Wasserverteilung diente. Freigelegt wurden auf dem Ausgrabungsgelände auch Grundmauern von Häusern in Wohn- und Ladenvierteln aus phönizisch-punischer und römischer Zeit, ebenso wie zwei Thermalanlagen. Beeindruckend ist der punische Tempel mit dorischen Halbsäulen, der im 4. Jahrhundert v. Chr. von den Karthagern erbaut wurde.

Nördlich der Stadt, auf dem Hügel Su Muru Mannu, befinden sich die Reste eines nuraghischen Dorfes sowie einer römischen Nekropole. Hier wurde auch der Bezirk des Tophet entdeckt: ein phönizisches Heiligtum, das aus Urnen, in denen die Asche von Kinderleichen aufbewahrt wurde, bestanden zu haben scheint. Ob es sich hierbei um Opfer für die phönizische Gottheit oder um einen Kinderfriedhof handelt, ist jedoch unklar.