Oristano

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Oristano, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt inmitten fruchtbarer Böden im nördlichen Campidano, Sardiniens größter Ebene, und bildet die wichtigste Landwirtschaftsregion der Insel. Den Charme einer gemütlichen mediterranen Stadt mit nahe gelegenem Strand konnte sich der Ort mit einem bezaubernden historischen Stadtkern bis heute erhalten. In der Altstadt begegnen dem aufmerksamen Spaziergänger hübsche Fassaden in verwinkelten Gassen, Bars, Cafés und kleine Boutiquen. Der große Fußgängerbereich des Corso Umberto lädt zum bummeln ein und mündet am Südende auf der Piazza Eleonora d`Arborea, um die sich einige der schönsten Palazzi der Stadt erheben. Ein heroisch verklärendes Denkmal aus dem 19. Jahrhundert erinnert an die sardische Nationalheldin, dahinter erhebt sich der Palazzo Comunale, untergebracht in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert das ursprünglich ein Kloster war.

Von hier sind es nur wenige Schritte bis zur klassizistischen Chiesa San Francesco. Die Kirche wurde 1838 rekonstruiert. Ursprünglich befand sich hier ein gotisches Kloster, dessen Überreste nur noch an der Fassade zu erkennen sind. Der Zentralbau beherbergt das prachtvolle und hochverehrte Nikodemus-Kruzifix, ein überlebensgroßes, realistisch gestaltetes gotisch-katalanisches Holzkreuz, das als die bedeutendste gotische Plastik auf Sardinien gilt.

Überragt wird die Kirche vom mächtigen Dom Santa Maria, der ab 1733 sein heutiges klassizistisches Aussehen erhielt. Von dem ursprünglichen gotischen Bau sind nur noch wenige Teile der Apsis, eine Seitenkapelle und der untere Teil des mächtigen, freistehenden, achteckigen Glockenturms aus Sandsteinquadern erhalten. Unterhalb der bunten, mit Majolikaziegeln gedeckten Zwiebelkuppel aus dem 18. Jahrhundert, die dem Bau ein byzantinisches Aussehen verleiht, sind groteske und bizarre Masken angebracht.

Die Piazza Roma, der lebhafteste Platz der Stadt, wird vom Torre di San Cristoforo dominiert. Der mächtige, mehrstöckige Wehrturm bildete einst die Porta Manna, das nördliche Stadttor Oristanos. Ein alter Renaissancebau mit reich verzierten Fensterrahmen aus Stein in der Via Parpaglia 8-12, wenige Meter von der Piazza Roma entfernt, gilt als das Wohnhaus der Eleonora. Bis heute ist jedoch unklar, warum der Bau mit ihr in Verbindung gebracht wird. Eleonora starb um 1400, während das Gebäude aus einer späteren Epoche stammt. Der Standort ihres tatsächlichen Palastes und Regierungssitzes ist unbekannt. Wenige Schritte vom Palazzo di Eleonora entfernt ist in dem vornehmen klassizistischen Palazzo Parpaglia eine der beeindruckendsten archäologischen Sammlungen Sardiniens, überwiegend mit Fundstücken aus der versunkenen phönizisch-römischen Hafenstadt Tharros, untergebracht.

Sardiniens farbenprächtigstes und aufwendigstes Volksfest ist das Reiterfest Sa Sartiglia. Die Feier findet jährlich am Faschingssonntag und Faschingsdienstag statt und geht auf die Ritterspiele des spanischen Adels im 15. Jahrhundert zurück. Nur die besten Reiter Sardiniens zeigen hier ihr Können. Für Touristen wird seit einigen Jahren auch Anfang August eine kleinere Version dieses Reiterkarnevals veranstaltet, die „Sartigliedda Estiva“.