Nekropole von Anghelu Ruju

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Knapp 10 Kilometer nördlich von Alghero, an der Straße nach Torres, führt ein kleiner Zufahrtsweg, direkt nach der zweiten Abzweigung zum Flughafen, zu der Nekropole Anghelu Ruju. Die Anlage mit den unterirdischen Gräbern, gelegen inmitten eines Weinbaugebietes, wird als die größte und bedeutendste vorgeschichtliche Totenstadt Sardiniens angesehen. Insgesamt 38 Domus de Janas sind hier in den kalkhaltigen Sandsteinboden gegraben. Die Felsengräber stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., der Zeit der Ozieri, und wurden über viele Jahrhunderte, bis etwa 1500 v. Chr. von verschiedenen Kulturen wie der Glockenbecherkultur oder den Bonnanaro genutzt. Anghelu Ruju ist somit ein interessantes Zeugnis verschiedener prähistorischer Kulturen, das Auskunft sowohl über deren Toten- als auch über ihre Wohnkultur gibt.

Nachdem der Ort lange Zeit als Steinbruch verwendet wurde, entdeckte der italienischen Archäologen Antonio Taramelli die Begräbnisstätte zu Beginn des 20. Jahrhunderts und legte sie in den folgenden Jahren frei.
Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Grabformen von Anghelu Ruju, die verschiedene Eingänge, Bauweisen und Anordnungen im Inneren aufweisen. Fast alle der unterirdischen Gräber sind in mehrere Kammern, Nebenkammern und Nischen aufgeteilt, die durch schmale Gänge verbunden werden. Viele der Kammern sind mit Säulen und Pilastern ausgestattet und werden von in den Fels eingemeißelten Reliefs, die oft stilisierte Stierköpfe darstellen, geschmückt.

Da mehrere menschliche Überreste in den Grabkammern gefunden wurden, lässt sich darauf schließen, dass die Bestattungsart in Anghelu Ruju überwiegend die Beerdigung und weniger die Einäscherung war. Die Toten wurden meist in Hockstellung oder liegend auf Steinbetten oder Haufen von Muschelschalen beigesetzt. Gefunden wurden auch Spuren von roter Ockerfarbe und verschiedene Grabbeilagen, wie Waffen, Statuen aus Stein, Vasen, Schalen und Geschirr, die sich heute in Cagliari im Museum und im Museo GA. Sanna in Sassari befinden.