Grotta di Ispinigoli

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Etwa fünf Kilometer nördlich von Dorgali in Richtung Orosei befindet sich eine der größten Tropfsteinhöhlen Italiens. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Grotta di Ispinigoli im Osten Sardiniens von einem Schäfer entdeckt. Sie ist Teil eines riesigen Höhlensystems, das das gesamte Bergmassiv des Supramonte durchzieht. Die Grotte selbst liegt etwa drei Kilometer von der Küste entfernt. Dennoch ist sie über unterirdische Kanäle und Wasserläufe mit dem Meer verbunden.


Vom Eingang der Grotta di Ispinigoli steigen Besucher eine steile, über 280 Stufen zählende Treppe in die märchenhafte Welt der Tropfsteinhöhle hinunter. Etwa 50 Meter tief dringt man in den ersten Raum ein, der der größte des bisher erforschten Höhlenlabyrinths ist. Über die Jahrhunderte sind an den Wänden, von den Decken und auf dem Boden unzählige Stalagmiten und Stalaktiten in ungewöhnlichen und teilweise bizarren Formen gewachsen. Die weiße Farbe der Kalksteinsockel verleiht der Grotta di Ispinigoli ihren besonderen Zauber. Heute kommt es in der fossilen Tropfsteinhöhle kaum mehr zu Ablagerungen.
Im Zentrum des Höhlenschlundes ragt das Prachtstück der Grotta di Ispinigoli aus der Tiefe empor. Mit 38 Metern Höhe ist hier einer der höchsten Tropfsteine der Welt entstanden. Forscher nehmen an, dass die Spina di Gola, wie die vom Boden bis zur Decke durchgehende Säule auf italienisch genannt wird, durch das Zusammenwachsen eines Stalagmiten mit einem Stalaktiten entstanden ist.


Die Grotta di Ispinigoli wird seit den 1950er Jahren erforscht. Der größte Teil der Höhlensystems mit seinen unzähligen Gängen und Grotten wurde bisher jedoch noch nicht erschlossen. Bei den Forschungsarbeiten entdeckte man unter anderem Schmuck und weibliche Knochen aus der Frühzeit. Die gefundenen Objekte kann man heute im Museo Civico in Dorgali betrachten. Sicher ist allerdings nicht, ob die Funde tatsächlich in der Grotta di Ispinigoli abgelegt oder über einen unterirdischen Wasserlauf angeschwemmt worden sind.
In den 1960er Jahren verunglückte der italienische Archäologe Eraldo Saracco bei den Forschungsarbeiten in der Tropfsteinhöhle tödlich.