Gola su Gorroppu

File 104

Über Jahrtausende hat sich der Fluss Riu Flumineddu im Osten Sardiniens durch den weißen Kalkstein des Supramonte-Gebirge gefressen und damit ein wahres Natur-Highlight geschaffen: Gola su Gorroppu ist eine der tiefsten Schluchten Europas. Fast senkrecht ragen die gewaltigen Felswände mehr als 300 Meter in die Höhe. Eine Wanderung lohnt sich sowohl für kletterfreudige Sardinien-Besucher, als auch für Naturfreunde. Das grüne Oddoene-Tal und die Gola su Gorroppu-Schlucht bieten eine reiche Flora und Fauna. Felsspalten bieten ideale Nistplätze für verschiedene Vogelarten. Faszinierende Felsformationen und Auswaschungen in dem hellen Gestein und eine hochwachsende Macchia prägen hier die schroffe und wilde Landschaft Sardiniens.


Als Ausgangspunkt für die abwechslungsreiche Wanderung zum Eingang der Gola su Gorroppu empfiehlt sich die Passstation Genna Silana, etwa 18 Kilometer südlich von Dorgali. Ein einfacherer Weg verläuft direkt von Dorgali entlang des Flussufers durch das Flumineddu-Tal. Hinauf zum Genna Silana Pass führt die bei Motorrad- und Fahrradfahrern beliebte Straße SS125 zwischen Baunei und Dorgali. Vom Parkplatz der Passstation geht es durch schattige Wäldchen hinab zum schmalen Eingang der Schlucht. Der Blick schweift über das ruhige Oddoene-Tal. Oleanderbüsche zieren den Rand des Geröllweges und an den Berghängen befinden sich kleine Felshöhlen. Nach etwa eineinhalb Stunden Abstieg erreicht man die Gola su Gorroppu-Schlucht, deren Wände eindrucksvoll in die Höhe ragen. Das kühle Wasser des Riu Flumineddu, der vom Supramonte-Gebirge kommend weiter nördlich in den Stausee Lago del Cedrino mündet, sammelt sich hier in mehreren Gumpen. In der Schlucht selbst fließt der Gebirgsbach bereits im Frühjahr nur noch unterirdisch durch das Karstgebirge. Im trockenen Flusslauf liegen stattdessen große, weiße Felsblöcke, die den Besuchern bei der Erkundungstour den Weg versperren. Für nicht professionelle Wanderer ist nur ein Teil der gewaltigen Schlucht begehbar. Nach etwa einer Stunde und mehreren Klettertouren ist der Canyon, der sich etwa acht Kilometer durch das Bergmassiv zieht, kaum mehr zu erschließen.


Bei dem faszinierenden Wander- und Klettererlebnis sollte man auf eine gute Ausrüstung achten. Die Sonne scheint nur in den Vormittagsstunden zwischen die an beiden Seiten emporragenden Felswände. Am Nachmittag wird es in der Schlucht schattig und manchmal etwas kühl.